Geschichte, Selbstdarstellung und Aufgaben des Meidericher Bürgervereins
Der
Meidericher Bürgerverein wurde im Jahre 1905 als eine Protestorganisation
gegen den Zusammenschluss von Meiderich, Ruhrort und Duisburg gegründet.
Heute
könnte man sagen, er ist aus einer Bürgerinitiative entstanden.
Er ist auch eine dauernde Bürgerinitiative geblieben und hat
sich immer für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Meidericher
Bevölkerung und für die Verschönerungen des Stadtteils
Meiderich eingesetzt. Der Aufgabenbereich des Vereins war teilweise
abhängig von den kommunalen Zielsetzungen und hat sich dadurch
im Laufe der Zeit häufig gewandelt. Er mußte sich auch
den jeweiligen Lebensgewohnheiten anpassen.
Im Jahre 1904 kaufte die Stadt Duisburg die Rheinwiesen von Kaßlerfeld
und Neuenkamp auf, um ihre Hafenanlagen erweitern zu können.
Gegen diesen Plan legte die preußische Regierung Einspruch ein
und verlangte, Mitbesitzerin der Häfen zu werden und die Hafenanlagen
auf dem Gebiet der damaligen Stadt Meiderich auszuweiten. Deshalb
sollte Meiderich in die Stadt Duisburg eingemeindet werden.
Die Meidericher Bürgerschaft wollte die im Jahre 1874 erhaltenen
selb-ständigen Gemeinde- und 1894 erworbenen Stadtrechte jedoch
nicht aufgeben. Man befürchtete, daß die Meidericher Interessen
in der Duisburger Stadtverordneten-versammlung nicht ausreichend vertreten
werden könnten.
Um
1905 die Eingemeindung zu verhindern, wurde zu einer Protestversammlung
eingeladen. In dieser Versammlung wurde der Meidericher Bürgerverein
gegründet und Arnold Dehnen zum ersten Vorsitzenden gewählt.
Der Verein führte unter dem Motto "Meiderich den Meiderichern"
einen erbitterten Kampf gegen die Eingemeindung. Als diese dennoch
durchgesetzt wurde, betrachtete er es als seine dringlichste Aufgabe,
die Einhaltung der Zusagen im Eingemeindungsvertrag zu überwachen.
Da nach dem 1. Weltkrieg trotz zahlreicher Gespräche mit dem
damaligen Oberbürgermeister Dr. Jarres die Meidericher Belange
im vergrößerten Duisburg unzureichend berücksichtigt
wurden, stellten die Meidericher Bürger eine eigene Kandidatenliste
für die Gemeindewahl auf und erreichten, daß Arnold Dehnen,
Michael Maas, Fritz Kern und Johannes Laufenberg als Stadtverordnete
gewählt wurden.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde unser Vorsitzender Arnold Dehnen auch
zum Bezirksvorsteher für Meiderich ernannt und das Vereinsgeschehen
durch die Wahl von Hanns Graffmann zum stellvertretenden Vorsitzenden
belebt. Der Verein setzte sich für die Instandsetzung der durch
den Krieg zerstörten öffentlichen Einrichtungen und den
Bau neuer Schulen ein. Es entstanden an der Bahnhofstraße eine
Realschule und an der Westender Straße ein Aufbau-gymnasium.
In den Bezirken Berg und Brückel wurden neue Postamtstellen eröffnet.
Ebenfalls ist die Errichtung der Haltestelle Duisburg-Dümpten
an der Strecke Mülheim in Obermeiderich der Initiative des Bürgervereins
zu verdanken. Als letztes wurde die Zusage im Eingemeindungsvertrag,
eine Badeanstalt in Meiderich zu erstellen, erst Jahre 1969 verwirklicht,
nachdem schon in den zwanziger Jahren mit dem Bau an der Von-der-Mark-Straße
begonnen worden war. Die Badeanstalt ist leider aus Kostengründen
inzwischen geschlossen und abgerissen worden.
Nachdem
Arnold Dehnen den Verein seit der Gründung geleitet hatte, legte
er im Alter von 85 Jahren den Vorsitz nieder. Sein Nachfolger wurde
Hanns Graffmann und dessen Stellvertreter Peter Cinka. 1975 stellte
Hanns Graffmann sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zur Verfügung;
ihm folgte Hermann Dehnen, der Sohn von Arnold Dehnen.
Nach der Gebietsreform im Jahre 1975 wurde die Stadt Duisburg in sieben
Bezirke eingeteilt, die auch eigene Vertretungen erhielten, die Bezirks-vertretungen.
Zum Bezirk Meiderich/Beeck gehören die Stadtteile Meiderich,
Beeck, Beeckerwerth, Laar und Bruckhausen. Einige Mitglieder unseres
Vereins sind auch Bezirksvertreter geworden.
Die Aufgabenstellung des Bürgervereins hat sich durch die Schaffung
des Bezirks geändert, denn einige Bereiche, die früher vom
Bürgerverein behan-delt wurden, werden heute von der Bezirksvertretung
wahrgenommen.
Viele Probleme gab es für den Verein und insbesondere den Vorstand
zu bewältigen. Einige seien hier kurz aufgeführt:
Die enge Verzahnung der Wohnbebauung mit den Industrieanlagen machte
es notwendig, daß der Verein sich schon mit Umweltproblemen
beschäftigte, bevor die Politiker den blauen Himmel über
der Ruhr versprachen. In wieder-holten Gesprächen, vor allem
mit der Werksleitung der August-Thyssen-Hütte, hat der Verein
eine Verringerung der Luftverschmutzung erreicht.
Im
Jahre 1958 legte der Vorstand des Vereins gegen die Erweiterung des
Blasstahlwerkes der August-Thyssen-Hütte an der Grenze nach Ruhrort
Widerspruch ein und erzielte eine Verschärfung der Auflagen zur
Verminderung der Immissionen. Das gemeinsame Bemühen der Stadtverwaltung,
der August-Thyssen-Hütte, des Meidericher Bürgervereins
und des Haus- und Grundeigen-tümer-Vereins durch einen im Bebauungsplan
festgelegten breiten Grünstreifen eine klare Abgrenzung von Wohnen
und Arbeiten in Meiderich-Berg zu erreichen, scheiterte an dem Widerspruch
des Gewerbeaufsichts-amtes.
Die wenig von Immissionen beeinträchtigten Wohngebiete von Obermeiderich
sollten nach den Vorstellungen des Ruhrsiedlungsverbandes durch die
Schaffung eines überregionalen Grüngürtels beseitigt
werden. Diesem Vorhaben widersprach der Bürgerverein, und er
hat in einer Protestversammlung erreicht, daß nur kleinere Flächen
nicht mehr bebaut werden dürfen.
Der Bau der Stadtautobahn brachte zwar eine bessere Verbindung zwischen
dem Norden und Süden Duisburgs, aber nicht die erhoffte Entlastung
der Bahnhof-straße. Eine spürbare Verringerung des innerstädtischen
Verkehrs wird erst dann eintreten, wenn die von uns schon lange geforderte
Meidericher Umgehungs-straße, die eine direkte Verbindung von
Ruhrort in Ost-West-Richtung schaffen soll, gebaut wird.
Ein wesentlicher Schritt zur Schaffung eines modernen Stadtteils Meiderich
wurde durch den Ausbau der Von-der-Mark-Straße zu einer fußläufigen
Straße, der Gestaltung des Marktplatzes sowie des Bahnhofsvorplatzes
vollzogen.
Der Meidericher Bürgerverein ist auch stets als Heimatverein
tätig gewesen. Aus Anlaß der Tausendjahrfeier der Rheinlande
im Jahre 1925 veranstaltete er einen Umzug, an dem alle Meidericher
Vereine, Handwerkerinnungen und Schulen teilnahmen. Im folgenden Jahre
wurde für den tödlich verunglückten Flieger Paul Bäumer
im Stadtpark ein Denkmal und im Jahre 1933 für den Bildhauer
Wilhelm Lehmbruck an seinem Geburtshaus eine Gedenktafel eingeweiht.
Der Verein setzt sich stets auch für die kleinen Probleme unserer
Mitbürger ein und hat vielfach erfolgreich Hilfe geleistet. Diese
zahlreichen Aufgaben wird der Verein auch in Zukunft wahrnehmen.
Der
Vorstand des Meidericher Bürgervereins